Am 20.04.2026 begrüßte der Prof. Dr. Jürgen Klüners, Dekan der Fakultät Elektrotechnik, Informatik und Mathematik, Frau Juniorprofessorin Dr. Janina Letz und Herrn Professor Dr. Stephan Stadler zu ihrer Antrittsvorlesung. Nachdem der Dekan die akademischen Werdegänge der Neuberufenen vorstellte, boten beide Vorlesungen Einblicke in aktuelle Forschungsfragen.
Frau Jun.-Prof. Dr. Janina Letz startete mit ihrem Vortrag „What is the size of a derived category?“ und schlug eine Brücke zwischen klassischen Ringen und modernen Kategorien. Sie erläuterte, wie kommutative Ringe durch ihre Wirkung auf Komplexen untersucht werden und wie die daraus resultierende „abgeleitete Kategorie“ als mathematisches Objekt vermessen werden kann. Besonders im Fokus stand dabei die Frage, wie die Kategorie Information über den ursprünglichen Ring beinhaltet.
Dieser Forschungsansatz spiegelt die konsequente akademische Spezialisierung von Letz wider. Nach ihrem Bachelorstudium in Mainz zog es sie in die USA, wo sie an der University of Utah in Salt Lake City promovierte. Ihre Dissertation zum Thema „Generation Time in Derived Categories“ (2020) legte den Grundstein für ihre heutige Arbeit über tensor-triangulierten Kategorien und Hochschild-Kohomologie. Vor ihrem Ruf nach Paderborn sammelte sie weitreichende Erfahrung als Postdoktorandin an der Universität Bielefeld sowie als Feodor Lynen Fellow der Alexander von Humboldt-Stiftung an der University of California, Los Angeles (UCLA).
Im Anschluss sprach Prof. Dr. Stephan Stadler zum Thema „Not a Knot“. Er demonstrierte, wie Methoden der Differentialgeometrie genutzt werden können, um topologische Probleme zu lösen. Zentral war dabei das Fáry–Milnor-Theorem: Es besagt, dass ein Knoten, dessen Gesamtkrümmung einen bestimmten Wert unterschreitet, zwangsläufig ein „Unknoten“ (ein einfacher Kreis) sein muss. Stadler zeigte auf, wie diese Konzepte heute auf die Geometrie singulärer Räume und Gebiete mit nicht-positiver Krümmung erweitert werden.
Stadlers wissenschaftlicher Weg ist geprägt von exzellenter Forschung an führenden Instituten. Er absolvierte sein Studium und seine Promotion an der LMU München, wo er sich mit Hindernissen für glatte, nicht-positiv gekrümmte Metriken befasste. Nach einer Phase als Akademischer Rat in München übernahm er von 2020 bis 2025 die Leitung einer Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn. Seine Expertise in der quasi-isometrischen Starrheit und den Minimalflächen verstärkt nun das geometrische Profil der Paderborner Mathematik.
Die Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik freut sich, zwei so profilierte Persönlichkeiten für den Standort gewonnen zu haben, die die internationale Vernetzung des Instituts weiter stärken.