Am 17.11.2025 begrüßte der Dekan der Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik der Universität Paderborn, Prof. Dr. Jürgen Klüners, die Gäste zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Karin Binder (Didaktik der Mathematik) und Jun.-Prof. Dr. Jonas Jalowy (Wahrscheinlichkeitstheorie). Beide Wissenschaftler*innen stellten in ihren Vorträgen aktuelle Fragestellungen und Forschungsansätze aus ihren jeweiligen Fachgebieten vor und gaben einen spannenden Einblick in ihre zukünftige Arbeit an der Universität Paderborn.
Den ersten Vortrag hielt Prof. Dr. Karin Binder unter dem Titel „Stochastisches Denken fördern: Der Nutzen von Visualisierungen in Situationen mit zwei dichotomen Merkmalen und eine simulationsbasierte Einführung von Hypothesentests“.
Missverständnisse im Umgang mit bedingten Wahrscheinlichkeiten treten in Medien, Medizin und Politik häufig auf – etwa bei Aussagen wie: „Zwei Drittel der an Brustkrebs erkrankten Frauen sind über 70 Jahre alt.“ In ihrem Vortrag präsentierte Prof. Binder empirische Befunde dazu, welche Visualisierungen und Strategien den Umgang mit solchen Situationen erleichtern und wie sie helfen können, typische Fehler zu vermeiden. Karin Binder stellte in diesem Zusammenhang auch Ergebnisse aus dem DFG-Projekt TrainBayes vor, in dem Studierende aus Medizin (n = 260) und Jura (n = 255) im Umgang mit bedingten Wahrscheinlichkeiten trainiert und in einem Prä-Post-FollowUp-Test-Design untersucht wurden. Dabei wurde die Wirksamkeit eines Doppelbaum-Trainings und eines Einheitsquadrat-Trainings im Vergleich zu zwei Kontrolltrainings und einer Wartekontrollgruppe geprüft. Im Fokus stand die Wirksamkeit der Trainings, der Einfluss verschiedener Vorwissensfacetten und die Frage, wie gut den Studierenden die Umsetzung der Trainings jeweils gelingt. Darüber hinaus zeigte sie auf, wie Hypothesentests simulationsbasiert eingeführt werden können, um das konzeptuelle Verständnis zu stärken und verbreiteten Fehlvorstellungen vorzubeugen. Sie erläuterte die simulationsbasierte Einführung von Hypothesentests, wie etwa dem t-Test zum Vergleich zweiter Mittelwerte mithilfe der didaktischen Software CODAP. Hier wurde beispielsweise die Frage beleuchtet, was es bedeutet (oder nicht bedeutet), wenn sich die Schulleistungen von Kindern aus zwei Ländern „signifikant“ unterscheiden.
Prof. Dr. Karin Binder ist seit April 2025 Professorin (W3) für Didaktik der Mathematik an der Universität Paderborn. Nach dem Ersten Staatsexamen und dem Diplom in Physik an der Universität Regensburg promovierte sie dort 2018 in Didaktik der Naturwissenschaften und wurde für ihre Dissertation mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet. Ihre weiteren Stationen führten sie als Postdoc und Vertretungsprofessorin nach Regensburg, Paderborn und München, bevor sie 2022 als W2-Professorin an die LMU München berufen wurde. In ihrer Forschung widmet sie sich der Didaktik der Stochastik, dem Professionswissen von Lehrkräften und der Förderung von Data Literacy bei verschiedenen Zielgruppen – von Schüler:innen über Ärzt:innen bis hin zu Journalist:innen. Der Vortrag von Prof. Binder wurde in deutscher Sprache gehalten.
Im Anschluss gab Jun.-Prof.Dr. Jonas Jalowy mit seinem Vortrag „Evolution of zeros of (random) polynomials under the heat flow“ einen Einblick in die Grundlagen und aktuellen Entwicklungen seines Forschungsgebiets.
Während sich die Nullstellen quadratischer Polynome noch leicht bestimmen lassen, wird die Analyse für Polynome hohen Grades zu einer mathematischen Herausforderung. Jun.-Prof.Dr. Jalowy zeigte auf, wie sich die Nullstellenverteilung solcher Polynome entwickelt, wenn man sie dem holomorphen Wärmefluss unterwirft: In den bewegten Bildern sahen die Zuschauer:innen immer wieder wie sich die Nullstellen aus verschiedenen ursprünglichen Positionen innerhalb der komplexen Ebene auf die reelle Achse zubewegten. Bei zufälligen „Weyl-Polynomen“ wandelt sich beispielsweise die Verteilung der Nullstellen vom Circular Law über das Elliptic Law schließlich hin zur Wigner-Halbkreisverteilung, bekannt aus der Welt der Zufallsmatrizen. Solche Resultate gehören zu einem derzeit sehr aktiven Forschungszweig, der sich grundlegend mit der Dynamik von Nullstellen unter Differentialoperatoren auseinandersetzt. Für Jonas Jalowy sei die Forschung besonders motiviert durch überraschende Verknüpfungspunkte mit Konzepten aus dem optimalen Transport, der Theorie der Punktprozesse, der freien Wahrscheinlichkeitstheorie und der harmonischen Analysis.
Jun.-Prof.Dr. Jonas Jalowy hat Mathematik an der Universität Bielefeld studiert und promovierte dort 2020 bei Prof. Friedrich Götze. Nach mehreren Postdoc-Positionen an der Universität Münster – darunter Tätigkeiten im DFG-Schwerpunktprogramm SPP 2265 – wechselte er 2025 an die Universität Paderborn. Seine Forschung bewegt sich im Bereich der Wahrscheinlichkeitstheorie mit Bezügen zur Analysis und mathematischen Physik.
Die Fakultätsmitglieder begrüßten beide herzlich in ihren Reihen bei einem anschließenden Umtrunk.